Zielformulierung

[von Lukas]

Verkehr als zentrale Funktion sozialen Zusammenlebens findet zum überwiegenden Teil im öffentlichen Raum statt und konfligiert daher mit anderen Funktionen des öffentlichen Raums wie Erholung oder Kommunikation. Diese Konfliktlinien sind besonders ausgeprägt im verdichteten städtischen Wohngebiet, wo öffentlicher Raum zum einen knapp ist und zum anderen in den letzten Jahrzehnten vorwiegend für den motorisierten Individualverkehr (MIV) umgewidmet wurde, sodass die anderen wichtigen Funktionen des öffentlichen Raums massiv zurückgedrängt wurden. „Wien anders“ steht für eine lebendige Stadt mit einem breit genutzten öffentlichen Raum, der nach den Bedürfnissen aller BewohnerInnen gestaltet ist.

Dies bedeutet, dass der Raum für Verkehr im städtischen Gebiet deutlich verkleinert werden muss und dass die negativen Folgen des Verkehrs wie Lärm und Luftverschmutzung reduziert werden müssen. Dieses Ziel kann erreicht werden durch

  • Den Wegfall unnötiger Wege: Zum Beispiel besteht ein nicht unbeträchtlicher Teil des MIV in der Parkplatzssuche.

  • Die Verkürzung der Wege: Die Funktionen „Wohnen“ (z.B.: Speckgürtel), „Arbeit“, „Versorgung“ (z.B.: Einkaufszentren am Stadtrand) und „Erholung“ (z.B.: Urlaub, Wochenendhäuser) müssen stärker wieder räumlich durchmischt werden. Dadurch kann nicht nur eine Verkürzung der Wege, sondern auch das Zusammenlegen mehrerer Wege (z.B.: Einkaufen auf dem Weg von der Arbeit nach Hause) erreicht werden.

  • Die Verdichtung des Verkehrs: Die höchste Dichte kann man bei FußgängerInnen, gefolgt vom öffentlichen Verkehr und den FahrradfahrerInnen erreichen. Die größte Fläche bei gleichbleibendem Verkehrsdurchsatz benötigt der MIV. Es sind daher Verkehrsmittel mit niedrigem Flächenverbrauch und hohem Durchsatz zu fördern, während die Nutzung flächenintensiver Verkehrsmittel eingeschränkt werden muss.

  • Die parallele Nutzung von Verkehrsflächen durch mehrere VerkehrsteilnehmerInnengruppen: Vor allem muss die Trennung von Gehsteig, Fahrradanlage und Fahrbahn wenn möglich aufgehoben werden, etwa durch den Umbau in Wohnstraßen.

Durch die Reduktion der Verkehrsflächen können die freiwerdenden öffentlichen Flächen für andere zentrale Funktionen genutzt werden. Hier sind insbesondere die Förderung von Regenerations- und Begegnungszonen zu nennen, (was wiederum zu einer Reduktion des Verkehrsaufkommens führt, weil man sich wieder in der Umgebung erholt, an Stelle weite Fahrten ins Wochenende zu unternehmen). Auch können öffentliche Flächen einen wichtigen Beitrag dafür leisten, die Folgen des Klimawandels für die StadtbewohnerInnen durch die Umgestaltung in Grünflächen und die Pflanzung von Bäumen erträglicher zu machen.

Wien anders möchte die Rückgewinnung öffentlichen Raums sowohl durch regulierende Maßnahmen (Gesetze), fiskalische Maßnahmen (Steuern, Förderungen, Incentives), als auch verhaltensändernde Maßnahmen (gestalterische Maßnahmen, die öffentlich gewünschtes Verhalten fördern) erreichen.

Zu diesen Maßnahmen zählen: Hier würde sich eine Clusterung anbieten: z.B.: öffentlicher Verkehr, Radfahren, Umstieg von MIV auf anderes Verkehrsmittel, Transport privat, Anlieferung/Transport gewerblich, …

[Stefan: ich schlage die folgende Struktur zum Ergaenzen vor, bitte bei Bedarf aendern]

Vision [hier beschreiben wir kurz, wie der Verkehr in Wien gestaltet werden soll]

...



Kurzfristige Massnahmen [was ist realistisch in einer Legislaturperiode (5 Jahre) auf Gemeindeebene umzusetzen, konkrete und einfache Loesungen]

Beispiel: Verkehrsberuhigung im Graetzl: Betonblocks an Kreuzungen, um Durchfahrt fuer Kfz zu verhindern

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Langfristige Massnahmen [wie kommen wir zu unserer Vision]

Beispiel: Sperre der inneren Bezirke (Guertel/Donau) fuer Individual-Kfz

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Liste der Massnahmen [nach Aspekten aufgeteilt]

Fairness fuer alle Verkehrsmittel durch Kostenwahrheit

- Parkpickerlkosten auf Garagenplatzniveau heben (ca. 100 Euro/Monat)

- Citymaut

- LKW-Lieferungen (z.B. Supermaerkte) durch Regulierung steuern

- fahrscheinlose Oeffis: erleichtern Ausprobieren und Umstieg, Annaeherung an Subvention des MIV?

Foerderung des Radverkehrs:

- e-Cargobike-Leihstationen an Strassenecken

- Citybike-Netz ausbauen

Fairness fuer Verkehrsmittelwahl durch Entfernung von baulichen Privilegien

- Ampelschaltungen: rot gilt nur mehr fuer motorisierten Verkehr (urspruenglich dazu erfunden)

- Fahrradhighways (z.b. Tram/Rad-Kombination)

Fairness der Verkehrsmittelwahl durch Gewaehrleistung der Sicherheit fuer 8-80jaehrige

- Verkehrsberuhigung im Graetzl

- Sperre der inneren Bezirke (Guertel/Donau) fuer Individual-Kfz

- Tempo 30 auf allen Strassen mit Querungen

- Entfernung von Parkplaetzen an Kreuzungen, sodass immer Sichtbeziehung zwischen VerkehrsteilnehmerInnen gegeben ist

Fairness der Verkehrsmittelwahl durch zeitliche Garantien

- Garantie fuer alle EinwohnerInnen, unabhaengig vom Wohnort, in X Minuten von Haustuer zum Losfahren in einem oeffentlichen Verkehrsmittel (z.B. Steuerung durch App, ergaenzt mit Sammeltaxis in den Flaechenbezirken und abends), als Voraussetzung fuer Oeffis-Planung

- siehe oben Ampelschaltungen: durch Vorrang gegenueber Autos entfallen mit dem Rad und zu Fuss ca. 50% der Wartezeiten, der Radius verdoppelt sich, erreichbare Flaeche vervierfacht sich, dadurch wird es gegenueber dem Autofahren entsprechend attraktiviert

Fairness durch Umverteilung des oeffentlichen Raums

- Ersatz von Fahrbahnen durch komfortabel dimensionierte Radverkehrsanlagen

- Ersatz von monokulturell genutztem Raum (Parkplaetze) durch gemischte Nutzung:wo Kinder spielen koennen, Gemeinschaftsgaerten, konsumfreie Zonen (auch wetterfest, ganzjaehrig nutzbar) mit Sitzmobiliar



Aktionen [wie koennen wir zusaetzlich zu unseren in Gremien gewaehlten VertreterInnen, die dort nur einer Minderheit sein werden, agieren]

- Flashmobs, z.B. um eine Kreuzung zu blockieren (erfolgreiches Beispiel Buergerinitiative Allee Hopp in der Hoerlgasse)

- Critical Mass, sofern die Ziele mit dieser autonom agierenden Gruppe kompatibel sind

- Klagen, z.b. gegen akustische oder Abgasemissionen, gefaehrliche Stellen, um oeffentliche Stellen zum Umplanen zu zwingen

- Bewusstseinsbildung (Zeitungsartikel, Kommentare, soziale Medien, ...)



Details fuer Massnahmen und Aktionen [faktische Begruendung, Umsetzung und Folgen]

e-Cargobike-Leihstationen an Strassenecken:

- Da bis zu 200kg damit transportiert werden koennen, wird fuer Moebel/elektrische Grossgeraete kein Auto mehr benoetigt, es kann auch direkt Tuer-zu-Tuer transportiert werden (ein Hauptgrund, warum viele Leute ihr selten benutztes Auto behalten)

- Folgen: da es Parkplaetze an Strassenecken ersetzt, ist die Kreuzung besser einsehbar (Unfallhaeufungspunkte); Lieferfahrzeuge verstellen seltener Radverkehrsanlagen/Gehsteige

- Umsetzung: Design, Bau und Wartung kann durch einen stadteigenen (auch z.b. sozio-oekonomischen) Betrieb erfolgen (sichere Arbeitsplaetze in Wien, lokale Erzeugung)

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Konzepte fuer Verkehrsberuhigung im Graetzl:

Ein Fused grid https://en.wikipedia.org/wiki/Fused_grid bewirkt Filtered Permeability https://en.wikipedia.org/wiki/Permeability_%28spatial_and_transport_planning%29#Filtered_permeability

und ist damit durchlaessig fuer Fussgaenger/Radfahrende, aber nicht fuer Autos. Das Fused grid setzt das hierarchisch um. Dadurch werden auch die meisten Kreuzungen zu T-Kreuzungen, diese sind um einiges sicherer.



-- ErnstJeschek - 17 Apr 2017
Topic revision: r1 - 17 Apr 2017, ErnstJeschek
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